Wie alles begann

1975, ein interessantes Jahr!

Helmut Schmidt regiert als Bundeskanzler in Bonn und Walter Scheel sang das Lied „Auf dem gelben Wagen“ in seiner Funktion als Bundespräsident.  Der Kreis Borken versuchte sich zu etablieren, ein Jahr nach dem Untergang des Kreises Ahaus. In Heek „erfreuten“ sich die Heeker daran, dass seit gut zwei Jahren eine gut ausgebaute B70 durch das Dorf lief und das Thema „Ortsumgehung“ vorübergehend kein Thema mehr war. Der kleine HSV kämpft gegen den Abstieg aus der Bezirksliga und die Dorfjugend wurde immer mobiler, da fast jeder ein Auto hatte. Steinkamp in Coesfeld, Dixiländ in Gescher und Feldkamp in Darfeld waren am Wochenende die bevorzugten Tanzlokale. Natürlich gab es auch schon die Landjugendfeste, die vor den jeweiligen Schützenfesten in der Umgebung stattfanden. Enge Familienbindung und Traditionsbewusstsein bestand noch allemal und der Kirchgang am Sonntag war Pflicht, genau so wie der Frühschoppen nach dem Hochamt. Ein Teil der männlichen Jugend von Heek traf sich somit bei Tante Mia und Onkel Heini auch im fünften Jahr nach der Neueröffnung Sonntag für Sonntag, am Morgen und am Abend. Vom Kirchtum her schaute ein noch intakter Hahn auf das Treiben der Heeker Jugend bei Thüners herab.
Schützenfeste in Heek sind 1975 bei jung und alt sehr beliebt. Dem Heimat- und Schützenverein St. Ludgerus stand Franz Münstermann als Präsident vor und es lief im allgemeinen ganz gut, so meinten die Verantwortlichen des Vereins. Unzufriedenheit gab es immer einmal; es waren meistens die selben Personen, die sich bei der Generalversammlung zu Wort meldeten und Kritiken am Verein und dessen verantwortliche Personen vortrugen. Am besagten Sonntag, den 25. Mai 1975 hatten die Heeker gerade ihr Bürgerschützenfest gefeiert. Nicht alles lief bei diesem Fest zum besten, zumal das Ringen um die Königswürde nicht nach dem Geschmack einiger Junggesellen verlief. Zumindest war einer da, der auf den Vogel schießen wollte und nicht durfte, weil die von ihm erwählte Königin nicht über das gesellschaftliche Ansehen nach der Ansicht des Vorstandes verfügte. Dieses Thema und andere waren Gegenstand von Gesprächen am Sonntagmorgen bei Thüners. Der Berichtsverfasser war selbst bei der Diskussion nicht dabei, dafür aber Bernhard Lürick, Bernhard Kippelt und Karl Münstermann sowie weitere Junggesellen. Bernhard Lürick und Bernhard Kippelt ließen ihren Unmut über das am Pfingsten gewesene freien Lauf. Es mußte was geschehen in Heek! Dies war die einhellige Meinung der Frühschoppenteilnehmer. Karl Münstermann veranlasste, dass schon gegen Mittag die Heeker Junggesellen Nachricht bekamen, dass die Absicht bestand, einen Jungesellenschützenverein in Heek zu gründen. Schnell wurden Hinweisplakate gemalt, dass noch am gleichen Abend die Gründungversammlung bei Thüner stattfinden sollte. Um19.00 Uhr trafen sich ca. 30 Jungesellen bei Thüners. Bernhard Lürick ergriff die Initiative, gab eine Stellungnahme zu der unbefriedigenden vorherrschenden Situation ab und bat die Gründung eines Junggesellenschützenvereins in Angriff zu nehmen, damit den „Bürgern“ die Stirn gezeigt werde. Und vor allen Dingen: Jeder kann und darf den Vogel abschießen und König werden. Alle waren einverstanden und die Versammlung wählte Bernhard Lürick als ersten Präsidenten sowie Bernhard Kippelt als 1. Vorsitzenden des Vereins. Geschäftsführer wurde Karl Münstermann, während der Berichtsverfasser zum Schriftführer bestellt wurde. Einen Hauptmann hatte die Versammlung auch schon auserkoren, aber hier hatten die Gründungsmitglieder noch Regelungsbedarf. Wenn einige Beteiligte heute noch daran zurück denken würden und vor allen, wie sie ein Schützenfest feiern wollten, müssten alle herzlich lachen. Die Junggesellen ließen dabei ihren Phantasien freien Lauf. Erst sollte bei Thüner gefeiert werden, das Vogelschießen sollte auf dem „Donnerberg“ sein. Das ganze glich eher einem Runkelclub, der sich an einem Samstag anständig besaufen wollte. Dass es nun in Heek einen Junggesellenschützenverein gab, machte schnell die Runde. Kritiken an allen Ecken und Enden. Insbesondere sparte der Bürgerschützenverein nicht mit Häme über uns, während die Averbecker verständnisvoller mit den Heeker Junggesellen umgingen. Es darf uns auch abgenommen werden, dass unsere Eltern ebenfalls nicht von der Gründungsidee begeistert waren und dem zufolge so manches harte Wort bei Familienzusammenkünften über den Tisch gegangen ist. Von Wahnsinn bis Idioten war alles dabei. Das Füllhorn der Kritiken und Häme von mehreren Seiten warf dann allerdings die Frage auf: Wer sind wir eigentlich? Zwar junge Erwachsene, aber standen wir Burschen nicht mitten im Leben? Ob Schornsteinfeger, Schlosser, Tischler, Bäckermeister, Bankkaufleute, angehende Betriebswirte, Lehrer und Juristen, aller die vg. Berufsparteien waren innerhalb der Vereinsmitglieder zu finden und diese sollten nicht in der Lage sein, ein Schützenfest auszurichten? Zwar nur im finanziell machbaren Rahmen, aber immerhin. Von Anfang Juni bis zur ersten Generalversammlung am 17.06.1975 trafen sich der Gründervorstand fast täglich.Dank einiger Mitglieder des Vorstands, die auch aktive Mitglieder des Spielmannzuges Heek waren, und die aufgrund ihres 20-Jährigen Bestehens 1973 Erfahrung mit Behördengängen hatten und Rückfragen bei anderen Schützenvereinen, wussten wir bald, was zu tun war. Am Tage der Generalversammlung hatte der Verein bereits über 100 Mitglieder, so dass aufgrund der zu erwartenden Mitgliederbeiträge einiges an Geldern in die Vereinskasse fließen dürfte und der Vorstand in der Lage war, mit diesem Geld ein Schützenfest zu organisieren. Auf der Generalversammlung selbst wurde die Wahl eines Offizierskorps beschlossen und gewählt; ferner legte die Generalversammlung den Festablauf fest. In den Tagen danach wurde vom Vorstand für das „Tog weg bringen“ und dem Schützenfesttag der Spielmannzug Heek verpflichtet und abends für die Polonäse zusätzlich der Musikverein Nienborg, da der Heeker Musikverein leider anderweitig spielen musste. An Onkel Heini und Tante Mia wurde der Ausschank beim Vogelschießen vergeben und der „Kaiser“ (Harry Hermert) bekam den Krönungsball zugesprochen, da ein Festzelt nicht zu finanzieren war. Die Vogelstange wurde aus Metelen geliehen, der Grund hierfür dürfte klar sein. Die alten Uniformen des Spielmannzuges wurden zu Offiziersröcken umgenäht, dazu gehörende Utensilien für die Offiziere teilweise geliehen bzw. erworben, Plakate gedruckt, überall verteilt (das erste Plakat wurde beim Freibier der Bürgerschützen bei Deitmers aufgehangen und zwar von Bernhard Kippelt persönlich), die Festabzeichen besorgt und die Band Hu-An-Egos aus Epe für dem Krönungsball verpflichtet. Eine Königkette wurde eigens für den ersten Junggesellenschützenkönig erworben. Heinrich Hoge sagte uns ebenfalls zu, das erste Junggesellenkönigspaar mit Pferden und Kutsche bei der Polonäse abends durch das Dorf zu fahren. Bis Ende Juli stand fast alles, so dass eine gewisse Vorfreude aufkam. Jeder im Vorstand und von den Offizieren erledigte seine Aufgaben prompt und mit großen Ehrgeiz. Am Sonntag, den 6. Juli 1975 fand dann die letzte Mitgliederversammlung bei Thüners statt. Mittlerweile war der Verein auf 150 Mitglieder angewachsen, Festabzeichen und Festprogramm noch einmal besprochen. Festtagsstimmung kam bereits bei allen Schützen auf, so dass die Feiertage, beginnend am Freitag, den 11. Juli 1975 mit der Gründungmesse in unserer Pfarrkirche, kommen konnten.